GUT oder nur GUT gemeint?!

Ich habe in all den Jahren in der Praxis immer wieder erlebt, dass gerade in der Vorweihnachtszeit oder zu den Festtagen die Leute sich noch weit mehr unter Druck und Stress setzen bzw. setzen lassen.

Statt einer ruhigeren und besinnlichen Zeit, wie in der Natur nach der arbeitsreichen Erntezeit der Winter zum Zur-Ruhe-Kommen und in sich neue Kräfte sammeln dient, einer Zeit in der man mal mehr Zeit für sich und gemeinsame Stunden mit seinen Lieben pflegen könnte. Die „Feier“-Tage, die ja eigentlich ein fröhliches Erlebnis sein sollten oder könnten, sind für viele Menschen gerade auch im Privaten zu einer wahren Zerreissprobe für ihre Nerven geworden. (Und ich meine jetzt nicht all die Jagd nach den wider-sinnigen Geschenke-Bergen und „Steh-rümchen“, die eigentlich keiner braucht und keiner wirklich mag, oder die so manches Wohn- oder Kinderzimmer eher zur Plastik-Wegwerf-Höl(l)e werden lassen.)

Auch hier würde gelten: Weniger ist oftmals mehr!
Aber… jedem das Seine. Oder wie heisst es so schön:

„Des Menschen Wille ist sein Himmelreich.“

Und in der festen Überzeugung von „Alle Jahre wieder…“: des genau wie immer Kommen- und Mitmachen-“MÜSSEN“, des Etwas-Schenken-“MÜSSEN“…, obwohl man selber vielleicht mal ganz was anderes viel lieber – vielleicht auch miteinander – machen würde, wird eine alte, eigentliche wunderschöne Tradition zur Qual.
Muss das wirklich sein?! – Nein, das „müssen“ wir nicht. Es liegt an uns etwas zu ändern! – Es ginge auch viel besser und letztendlich für alle Beteiligten wesentlich angenehmer. Aber dazu erfordert es den Mut, dass wir uns zunächst mal an ein paar Beispielen verdeutlichen, wie das funktioniert wenn es eben Nicht-funktioniert. Und vielleicht kommt dir dann das eine oder andere bekannt vor…

Daher vorab die Frage:
Was ist eigentlich der Unterschied zwischen „Gut“ und „Gut-gemeint“?
Ja und was ist denn nun das Gegenteil von Gut? –
Viele Menschen wenn man sie fragt, glauben es sei: „Böse, das Schlechte, Nicht-Richtige, das Falsche.“ Aber eigentlich ist noch etwas anderes ebenso das Gegenteil von Gut, und das ist viel heimtückischer, weil es so versteckt und meist unterschwellig und unbewusst abläuft: = es ist das vermeintliche „Gut gemeint!“

Da glaubt Jemand unter dem Deckmäntelchen von angeblicher Fürsorge und Liebe unter dem: „ist ja nur gut gemeint…“ genau zu wissen, was für den anderen das Beste, das Geeignetste, das Gute und Rechte… ist. – Ist das nicht ganz schön anmassend?!!! – Vielleicht will der andere das gar nicht.herzlich-ehrlich

„Kind du bist so blass, nun ess das schön.“ Und schwups, obwohl du gesagt hast, dass du im Moment keinen Hunger hast, oder dass du das nicht essen möchtest, hast du schon die 2. Portion auf dem Teller. (oder das 2. Glas Wein eingeschüttet) – Vielleicht wolltest du einfach nur mal deine Ruhe haben oder Jemanden, der einfach nur wirklich mal einen Moment Zeit für dich hat und dir zuhört. – Oder, vielleicht wolltest du einfach nur mal gefragt und in deiner Entscheidung für ein bewussteres gesünderes Leben für dich respektiert werden. – Doch bei manchen Eltern bleibt der andere das ewige Kind, obwohl er schon einige Jahrzehnte das Säuglingsalter hinter sich gelassen hat.

Oder anderes Beispiel:
Du gibst dir für dich und für deine Lieben (ob Partner, Kinder, Enkel…) alle Mühe, kaufst bewusst frisch und gesund ein… hast tolle neue Rezepte und kreative Ideen… und dann kommen die Einladungen oder die dicken Pakete vollgestopft mit Süssigkeiten wo dir die Chemie und E-Nummern geradezu beleidigend wie Horror nur so entgegenspringen… oder die Massen an fetten Speisen und mastig überzuckerten Plätzchen…, die dich sofort wieder an das träge Übergewicht erinnern und die mühsamen Stunden diese Pfunde wieder abzustrampeln…. Ja diese lieben Besuche die dann unliebsame (eigentlich für dein bewusster gewordenes Denken wirklich ungute Geschenke mitbringen), obwohl du ihnen bereits etliche Male gesagt hast, dass du das hier bei dir nicht mehr wünscht. –- Und dann diese fatalen Erwartungen an „gute“ Erziehung. Auf der einen Seite hatte man mal als Kind früh eingetrichtert bekommen: „Du sollst nicht Lügen“. Und auf der anderen Seite, sollst du höflich sein. – Und so steckt so mancher Mensch ehrlich in der Zwickmühle.
Also dann glaubst du vielleicht, auch noch „höflich“ sein zu müssen und Freude zu zeigen und dich bedanken, obwohl du im ersten Moment mal wieder am liebsten laut Aufschreien könntest, …aber mal wieder nur die Fäuste in der Tasche geballt hattest und mal wieder nur müde-säuerlich Lächelst. – (Ja und Du weisst genau, auch das trägt zur Übersäuerung Deines Stoffwechsels kräftig bei!)…

Und die Frage, die sich in dir zu Anfang vielleicht sofort stellte: Soll ich jetzt ehrlich sein oder höflich? enthält scheinbar nur die 2 Möglichkeiten: entweder – oder (richtig oder falsch). Doch aufrichtige Ehrlichkeit und Höflichkeit sind keine Gegensätze, ganz im Gegenteil, sie gehören unbedingt zusammen. Denn Ehrlichkeit ohne respektvolle Höflichkeit wirkt egoistisch, verletzend und somit trennend. Und Höflichkeit ohne respektvolle Ehrlichkeit ist Lüge, (Selbst)Betrug und somit Misstrauen weckend, und somit auch nicht gerade verbindend, weder zu sich noch zu anderen.
Jaja, und all solche Dinge die geschehen ganz besonders an den klassischen Festtagen, die dadurch – alle Jahre wieder – für viele Familienmitglieder zum zusätzlichen Stressfaktor werden.

Ohne Bewusstheit und Achtsamkeit, so entstehen viele viele Missverständnisse. Denn wenn du dich dann nicht so verhältst, wie diese Person das nun von dir erwartet, bist du die/der Böse, die/der ewig Undankbare… und diese „Guten“ können dann leiden und schmollen und zetern… wie gut sie doch sind und was sie doch alles für dich schon getan haben… oder was du ihnen damit wieder antust. …oder dass du sie nicht genug schätzt… oder was auch immer.
Ja, und andererseits: wenn Jemand da gerade meint du seist jetzt „der/die Böse“ … Ja super, dann brauchst du dir ja gar keine Mühe mehr geben und kannst ehrlich zu dir stehen und dich in deren Augen „daneben benehmen“ wie du willst… denn du machst ja in ihren Augen sowieso alles falsch. – Kein Stress und Druck mehr… – denn: Auch das geht vorüber… Nein-danke

Aber auch wenn du dann einfach nur sagen würdest: „Danke, ich mag einfach nicht/ oder nicht mehr, das ist mir zu viel.“ Dann wird daraus verstanden: „Ach, du magst nicht was ich gebe/ koche. Du bist aber auch nie zufrieden. Du bist ja immer so anspruchsvoll. Ich geb mir immer solche Mühe, und was machst du… du achtest nicht, was ich für dich tue…“ – STOP – Oh Nein, steig nicht mehr auf dieses üble Spiel mit ein… Lächle lieber und freu dich, dass du auf diese Erpressung – oder sagen wir lieber Unbewusstheit – nicht mehr hereingefallen bist!!!

 

Und dazu kommt, wer anderen so „ungesundes Zeugs“ immer wieder schenkt oder auftischt, und das verharmlost, der will nichts anderes als sein eigenes schlechtes Gewissen vor sich selber beruhigen. Er will den anderen verführen, um zu zeigen: Siehst du, du bist auch schwach und fehlerhaft. Er macht es gar nicht mal um den anderen zu ärgern, nein, der Jenige macht es ja unbewusst nur, um sich selber nicht mehr ganz so schlimm, klein und unfähig etwas verändern zu können, zu fühlen. Das gute „schlechte Gewissen“ nagt und drängt ja eigentlich längst auch in ihm, auch in seinem Leben etwas zum wirklich Guten zu verändern. Ja, aber… wenn da nicht immer wieder dies… oder jenes… und der Verstand ist da unschlagbar im Erfinden von (faulen) Ausreden. Denn wenn Jemand etwas wirklich will, dann geht es immer!

Und viele Personen merken nicht, dass ihre übertriebene Fürsorglichkeit oder ihr eigenes falsch verstandenes Pflichtgefühl andere im Grunde respektlos übergeht und mit so mancher „gut gemeinten“ Besserwisserei andere Personen nur nach ihrem Denken und ihren eigenen Bewertung oder Ängsten dann manipulieren will. Was setzt diese Person damit für eine Ursache: wenn man genau hinschaut spürt ein Jeder, es ist eine Art von Machtanspruch und indirektem Angriff. Und was wird dieser Mensch sehr wahrscheinlich auf sein Verhalten ernten: Widerstand, sei es durch falsche Unterwürfigkeit oder direkten oder indirekten Widerstand und Kampf. –

Oftmals entsteht das auch nur aus einem Missverständnis, da sie glauben beim anderen die Ausstrahlung eines Unfähigen, Unselbständigen, zu bemerken. So deuten sie Zurückhaltung oder auch jede auch nur zeitweilige Unschlüssigkeit eines anderen als Aufforderung ihnen helfen „zu müssen“. – Also: Nimm es nicht persönlich. Du weisst doch, dass das nicht stimmt. Sie fügen sich damit selber viel Leid zu… Schade, aber okay. Das ist ihr Leben.

Und bei so mancher ungefragten Besserwisserei und Ratgeberei projizieren die Menschen einfach ihre eigene Unzufriedenheit, Unzulänglichkeit oder sogar Giftigkeit in ihrer Bewertung unbewusst auf andere. (- und meinen eigentlich sich selber)

Je mehr Jemand andere kritisiert, hat er versäumt sich selber zu verbessern.
Je mehr Jemand andere überzeugen will, zweifelt an sich selbst.

Und wenn sich ähnliche Situationen in meinem Leben immer wieder wiederholen, habe ich versäumt meine Verantwortlichkeit dafür anzunehmen und diese meine Lektion zu lernen, und etwas – zum aufrichtig Guten – zu verändern.

Und auch all das Um-Erziehen, Belehren, Bekehren, Missionieren, also Indoktrinieren und Manipulieren wollen aus dem Gedanken: „Ist ja nur gut gemeint“ und „Ist ja nur zu deinem Schutz“ oder „Ist ja nur zu deinem Besten.“ Gibt sich etwas von einem Heiligenschein und erhöht sich selbst. Nur ist diesen Menschen ihre eigene Schein-Heiligkeit nicht bewusst. All das ist eine Form vom Spielchen: Ohn-Macht und Macht ausüben wollen bis hin zu Macht-Missbrauch, – ist das gut und hilfreich???
Okay, mein Partner will mal wieder wie immer nur seine Weissmehl-Nudeln und die fette Bratwurst… – gar nicht gut – und eigentlich weiss auch er das ganz genau – aber okay, ich respektiere seine Wahl und seine Entscheidung für sich. – Was soll da Streit oder die Besserwisserei, er kennt meine Einstellung, aber es ist sein Leben, seine Kurzatmigkeit, seine Schmerzen, seine Vergesslichkeit… also lass ihn. Aber das heisst doch noch lange nicht, das ich das auch esse. Dann koche ich mir etwas für mich Gescheites! – (Und ich gehe natürlich auch auf sein Gestöhne nicht mehr ein.)
Denn würde man selber sich ungebeten gerne etwas sagen lassen? Nein, jeder will auf seine Art respektiert werden und Entscheidungen für sich – ob, wann, wie, wieviel oder wo – selber treffen.

Was du nicht willst was man dir tu,
das füg auch keinem andern zu.

Also etwas ist immer nur dann ehrlich GUT, wenn der Gebende etwas wirklich aus dem Herzen gibt – ohne jede Erwartung an Gegenleistung! d.h. du hältst dem anderen etwas hin und der andere kann es nehmen – oder auch nicht. bzw. es ist GUT, wenn er den anderen Menschen vorher fragt und wenn dieser damit einverstanden ist, der Gebende diese Entscheidung des anderen – wie auch immer diese ausfallen mag – auch respektiert. Vielleicht braucht der andere einfach nur Zeit, wann etwas für ihn stimmt. Alles andere wäre Zwang.

So, das war die negative, die Schattenseite der Geschichte, und nun, wo viel Schatten ist, ist auch viel Licht. Hier kommen wir nun zur lichtvollen d.h. Bewusstsein erweckenden Seite dieser Beispiele:
Nun kommen wir zu dem eigentlichen grossen Geschenk was für Dich genau in all diesen vermeintlichen „Pro“-blemen verborgen liegt:
Es ist nämlich eine ungeheuer befreiende Sache (endlich) ehrlich zu sein – und das sehr liebevoll und respektvoll – sich – und dem anderen Menschen gegenüber.nur-mut

Also gerade jetzt z.B. bei dem „gut gemeinten Besserwisser“:

  1. Danke dem anderen, dass er sich so viel Gedanken um Dich gemacht hat. Anscheinend musst du ihm ja sehr wichtig sein, sonst hätte er sich ja nicht so lange mit dir beschäftigt. Also erkenne seine Kritik oder seine Besserwisserei zunächst mal als eine Form von Aufmerksamkeit die dir da Jemand schenkt.
  2. Aber mache diesem Menschen danach nun auch klar (kurz, freundlich und klar), dass du zu manchen Dingen (nun) eine andere Sichtweise hast. Und teile sie dem anderen in kurzer Form mit.
    z.B. „Ich sehe das anders. Und ich habe mich entschieden, dass ich heute/ ab heute das … so mache“.
  3. Keine faulen Kompromisse! – Keine langen Diskussionen – und keinerlei Rechtfertigungen! (Wer sich rechtfertigt klagt sich an! = d.h. er ist selbst nicht von sich und seinen Entscheidungen überzeugt. – Diese Unsicherheit merkt der andere.)
  4. Ja, ab jetzt: Nur Ehrlichkeit = echte Aufrichtigkeit richtet auf. Sie erfordert eine Menge Mut, aber genau das stärkt damit nicht nur das Selbstvertrauen und ein wesentlich gesünderes Selbstwertgefühl, sondern erstaunlicherweise auch die Achtung und ein Dir-das-Zutrauen von deinem Gegenüber.
  5. Das heisst: Steh zu dir und sag offen und ehrlich deine Entscheidung – OHNE den anderen Menschen zu verurteilen oder irgendwelche Vorwürfe! (Damit würdest du sonst ja einen neuen Angriff starten, der sicher ein sofortiges Auffahren von entsprechenden Geschützen als Verteidigung oder Gegenangriff verursachen würde.) Nein, es ist völlig OKAY, dass der andere eine andere Meinung hat. Diese könnte sich ja auch ebenso schnell wieder ändern, wenn er dies wollte. (Und andererseits ist das Leben so wie eine Bergwanderung: viele völlig unterschiedliche Wege führen auf einen Berg, manche sind sehr effektiv und geradlinig und manche Wege machen erst unzählige Sackgassen und Umwege, aber irgendwann kommt ein jeder mal oben an, wenn er denn wirklich will.) Also es ist auch ganz okay, dass du für dich manche Dinge anders siehst. Es ist Dein Leben, Dein Körper und Deine Gesundheit und Deine Zuständigkeit entsprechend mit Dir und Deinem Körper umzugehen. Und wann, wie und wo du Deinen Weg gehst ist deine Wahl.
  6. Das heisst: Tue, esse oder trinke ab jetzt nichts mehr nur aus Höflichkeit! (aus bisher falsch verstandener Höflichkeit.) Wenn ja, dann entscheide dich bewusst – und stehe dann auch dazu!
  7. Kritisiere nicht! – weder den anderen – noch Dich! – Also gestatte dem Anderen ebenso für sich zu entscheiden welchen Weg er geht, oder Ob, Was und Wann er etwas verändert in seinem Leben.
  8. Hilfreich ist auch, wenn Du mit einer anderen Sichtweise ganz und gar nicht einverstanden bist, mit einer Einstellung von: „Ach ist ja interessant“ heran zu gehen. Und dann frag den anderen mal, wie er dazu kommt, dass so zu sehen. So fühlt sich der andere ernst genommen, und hat nun selber die Freiheit zu entscheiden etwas möglicherweise anders zu sehen und zu verändern. Oder er spürt intuitiv seinen eigenen Selbstbetrug und wird sehr schnell das Gespräch beenden.
  9. Denn sobald das Urteilen wegfällt sind Beide frei. Und das fühlt sich für beide Seiten sehr respektvoll und gut an. Probier es aus! Es ist ein echtes Geschenk an Dich UND dein Gegenüber.

Nun, hab Mut und tu’s einfach. Denn wenn du es dann wirklich tust, merkst du auf einmal: Das geht ja eigentlich ganz schnell und ist kinderleicht. Und auch hier gilt: Übung macht den Meister. Also auch wenn beim 1. Mal noch danach ein wenig die Kniee zittern, macht nichts. Auch das geht vorüber.

Endlich aufrichtig zu sein, schenkt uns ungeahnte Freiräume. Und bringt uns in der Gemeinsamkeit eine ganz neue, weit bessere Qualität an Nähe und friedvollem Umgang.

Also wenn das keine echt gute Sache ist !

(c) 2004 by Edi Maissen, UetendorfViele Grüße

Ingrid Wilke

Praxis für Gesundheit & Lebensberatung
Neu eröffnet in Brannenburg seit November 2015

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